Im Gegensatz zu äußerlichen Therapien, bei denen Medikamente auf die Haut aufgetragen werden, wirken Systemtherapien von innen. Einige werden als Tablette eingenommen, andere mit einer Spritze unter die Haut (subkutan) injiziert.
Die Wirkstoffe verteilen sich dann über den Blutkreislauf im ganzen Körper also im ganzen System. So gelangen sie an den Ort, an dem sie wirken sollen. Systemtherapeutika setzen damit an der zugrundeliegenden Entzündung an, statt an der Oberfläche zu behandeln.
Wenn eine äußerliche Therapie nicht ausreicht, es immer wieder zu Schüben kommt oder Du regelmäßig sehr große Mengen von wirkstoffhaltigen Cremes anwenden musst, könnte eine zielgerichtete Systemtherapie eine gute Option für Dich sein.
Eine kontinuierliche, auf Dich angepasste Behandlung ist entscheidend. Denn auch wenn Deine Haut gerade ruhig aussieht, ist die Neurodermitis nicht verschwunden – unter der Oberfläche laufen weiterhin entzündliche Prozesse ab.
Für eine optimale Therapie ist es wichtig, auch Auswirkungen auf Deinen Schlaf, mögliche psychische Belastungen und Begleiterkrankungen zu berücksichtigen.
Bei den Systemtherapien bei Neurodermitis unterscheidet man zwischen gezielten Therapieansätzen und klassischen Behandlungsformen.
Auf unserer Website kannst Du auch nachlesen, wie die Basistherapie Deine Hautbarriere stärkt und was noch zu den äußerlichen Therapien gehört. Außerdem kannst Du hier erfahren, welche begleitenden Ekzem-Therapien die Behandlung der atopischen Dermatitis sinnvoll ergänzen können.
Gezielte Systemtherapien setzen an fehlgeleiteten immunologischen Prozessen an, die bei Neurodermitis eine zentrale Rolle spielen. Dabei regulieren sie gezielt bestimmte Botenstoffe oder Signalwege, die an der Entstehung von Juckreiz und Entzündungen beteiligt sind. Dadurch wirken sie präziser als klassische Systemtherapien und sind meist auf eine langfristige Behandlung ausgelegt.
Biologika sind Medikamente, die biotechnologisch in Zellkulturen hergestellt werden. Dazu gehören auch die Antikörpertherapien.
Antikörper sind große Moleküle (Eiweißmoleküle), die im Körper gebildet werden, um Krankheitserreger abzuwehren.
Sie können zielgerichtet und hochspezifisch bestimmte Stoffe erkennen und binden. Diese Eigenschaft macht sich die Medizin zunutze – therapeutische Antikörper werden so entwickelt, dass sie gezielt Entzündungsauslöser bei Neurodermitis blockieren.
Bei den Biologika, die bei atopischer Dermatitis eingesetzt werden, handelt es sich um sogenannte monoklonale Antikörper.
Monoklonale Antikörper greifen gezielt und hochspezifisch in die fehlgeleitete Immunreaktion ein. Sie blockieren bestimmte Entzündungsbotenstoffe oder deren Andockstellen, bevor Entzündungssignale in die Zelle weitergeleitet werden. Dadurch können sie hartnäckigen Juckreiz und Entzündungen langfristig lindern.3,4
Schlüssel-Schloss-Prinzip von Antikörpertherapie bei Neurodermitis
Entzündungssignale werden nicht mehr weitergeleitet.
Für die Behandlung der Neurodermitis mit Biologika stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Jeder Wirkstoff hat ein spezifisches Angriffsziel im Immunsystem deshalb unterscheiden sich die einzelnen Substanzen in ihrer Wirksamkeit und ihren Nebenwirkungen.3,4
Aufgrund ihrer gezielten Wirkweise verfügen Biologika über ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil und sind in der Regel gut verträglich.3,4
Januskinase-(JAK)-Inhibitoren (auch als JAK-Hemmer bezeichnet) greifen direkt in der Zelle an und verhindern, dass Entzündungssignale weitergeleitet werden.
JAK-Inhibitoren gehören zu den sogenannten kleinen Molekülen. Sie wirken innerhalb der Zelle, während Biologika außerhalb der Zelle ansetzen.
JAK-Inhibitoren hemmen die Aktivität bestimmter Enzyme, der Januskinasen (JAK), in den Immunzellen und unterbrechen dadurch die Weiterleitung von Entzündungssignalen innerhalb der Zelle.3,4
Eine erste Zulassung für die Neurodermitis erfolgte im Jahr 2020.5 JAK-Inhibitoren werden bei unterschiedlichen Erkrankungen angewendet.6
Durch ihre Wirkweise können JAKInhibitoren helfen, Neurodermitis Symptome wie Juckreiz und Ekzeme effektiv zu lindern. Dabei stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung, weshalb sich ihre Wirksamkeit und Nebenwirkungen unterscheiden können.3,4
Kleine Moleküle hemmen Signalweiterleitung
Kleine Moleküle hemmen Signalweiterleitung
Wie bei allen systemischen Therapien ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung wichtig. Deshalb wird vor Beginn der Behandlung individuell geprüft, für wen JAK-Inhibitoren geeignet sind. Bei folgenden Personengruppen sollten JAKHemmer nur angewendet werden, wenn keine geeigneteren Behandlungs optionen zur Verfügung stehen:
Zu den klassischen Systemtherapien gehören die sogenannten Immunsuppressiva und systemischen Glukokortikoide. Diese Medikamente dämpfen das Immunsystem und reduzieren dadurch Entzündungen. Sie werden meist zeitlich begrenzt eingesetzt.3,5 Immunsuppressiva wie Ciclosporin hemmen gezielt das Immunsystem. Es gibt verschiedene Substanzen mit eigenen Anwendungsund Nebenwirkungsprofilen.
Systemische Glukokortikoide (KortisonTabletten) werden in der Regel kurzzeitig bei akuten Schüben genutzt, da eine längere Einnahme das Nebenwirkungsrisiko erhöht.3,5
| Klassische Systemtherapien | Gezielte Systemtherapien | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Hemmen breitflächig und unspezifisch das Immunsystem | Greifen gezielt in bestimmte Entzündungsprozesse ein |
| Einsatzbereich | Bei akuten Schüben und schweren Verläufen | Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis |
| Eingriff ins Immunsystem | Breit, auf das gesamte Immunsystem | Zielgerichtet, auf spezifische Entzündungssignalwege |
| Nebenwirkungen | Häufiger, bei langer Gabe teilweise schwerwiegend | Meist geringer und spezifischer |
| Kontrollunter-suchungen | Regelmäßige Blut- und Organkontrollen nötig | Je nach Wirkstoff ebenfalls Kontrollen, oft weniger umfangreich |
| Anwendungs-form | Tabletten oder Kapseln | Spritzen oder Tabletten |
| Dauer | In der Regel zeitlich begrenzt | Meist langfristig |
Wie bei jeder inneren Therapie bei Neurodermitis spielen Nebenwirkungen und Sicherheit eine wichtige Rolle. Welche Begleiterscheinungen auftreten können, hängt vom jeweiligen Medikament ab. Deshalb erfolgt die Behandlung unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle, um Wirkung und Verträglichkeit kontinuierlich zu überprüfen. Ein Gespräch mit Deinem Hautarzt hilft, Nutzenbewertung und mögliche Risiken und Nebenwirkungen gegenüberzustellen.
Gut zu wissen
In Deutschland werden Nebenwirkungen systematisch erfasst und überwacht. Verdachtsfälle können gemeldet werden und fließen in ein bundesweites Sicherheitsnetz ein.
Wie bei allen Medikamenten können auch bei Biologika Nebenwirkungen auftreten. Die Art und Häufigkeit hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab.
Häufige Nebenwirkungen können sein (Stand März 2026):
Je nach Biologikum kann es außerdem zu spezifischen Nebenwirkungen kommen, die häufig berichtet werden: Eosinophilie, Gelenkbeschwerden, allergische Konjunktivitis, Typ-I-Allergie, Kopfschmerzen, Atemwegserkrankungen, Hautreaktionen.
Dein Hautarzt überwacht die Behandlung regelmäßig. Bei Problemen kannst Du jederzeit Kontakt aufnehmen. Schwere Nebenwirkungen sind selten.
Es gibt langjährige Erfahrung in klinischen Studien und in der Praxis. Die Hersteller selbst und staatliche Behörden überwachen fortlaufend die Verträglichkeit. Manche Biologika-Therapien sind bei Neurodermitis bereits im Säuglingsalter zugelassen. Frag Deinen Hautarzt, welches Biologikum am besten für Dich geeignet ist und welche Nebenwirkungen bei welchem Medikament auftreten können. Eine genaue Auflistung aller bekannten Nebenwirkungen findest Du in der Packungsbeilage.
Wie bei allen Medikamenten können auch bei JAK-Inhibitoren Nebenwirkungen auftreten. Die Art und Häufigkeit hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab.
Häufige Nebenwirkungen können sein (Stand März 2026):
Je nach JAK-Hemmer kann es außerdem zu spezifischen Nebenwirkungen kommen, die häufig berichtet werden: Erbrechen, Hypercholesterinämie, Urtikaria, Fieber, Fatigue.
Dein Hautarzt überwacht die Behandlung regelmäßig. Bei Problemen kannst Du jederzeit Kontakt aufnehmen. Schwere Nebenwirkungen sind selten.
Eine Systemtherapie bei Neurodermitis beginnt in der Regel mit einer gemeinsamen Entscheidung: Du und Dein Dermatologe beurteilen zusammen den Schweregrad Deiner Erkrankung und entscheiden, welche Behandlung für Dich infrage kommt. Wie sich die Behandlung im Alltag gestaltet, hängt von der jeweiligen Wirkstoffgruppe und der Anwendung ab. Die wichtigsten Unterschiede findest Du hier im Überblick.
Biologika bei Neurodermitis sind Medikamente, die bestimmte Entzündungsbotenstoffe im Immunsystem hemmen. Sie werden bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis eingesetzt, wenn äußerliche Therapien nicht ausreichen.
Eine systemische Therapie bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis wirkt von innen. Sie wird zum Beispiel über Tabletten oder Injektionen verabreicht.
Systemtherapeutika kommen meist zum Einsatz, wenn die Erkrankung mittelschwer bis schwer ausgeprägt ist oder großflächig auftritt und äußerliche Behandlungen allein nicht ausreichen.
Biologika und JAK-Hemmer sind gezielte Systemtherapien bei Neurodermitis. Sie unterscheiden sich in Wirkweise und Anwendung:
Systemische Therapien werden unter engmaschiger ärztlicher Begleitung eingesetzt. Bei manchen Wirkstoffen werden Kontrolltermine und Laboruntersuchungen angeordnet, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung zu überwachen. Dein Arzt wird die Therapie individuell auf Dich abstimmen.
Eine gezielte Systemtherapie wird in der Regel langfristig eingesetzt, während klassische Immunsuppressiva meist nur zeitlich begrenzt angewendet werden.
In der Regel ja. Wenn Nebenwirkungen auftreten oder die Therapie nicht ausreichend wirkt, kann sie angepasst oder beendet werden – immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Bei manchen Medikamenten kann ein schrittweises Ausschleichen sinnvoll sein.
Ja, gezielte Systemtherapien bei Neurodermitis können zum Beispiel mit äußerlichen Therapien wie Cremes oder Salben kombiniert werden. Welche Kombination sinnvoll ist, wird individuell mit der behandelnden Hautärztin oder dem Hautarzt abgestimmt.
Gezielte Therapien bei Neurodermitis sind in der Regel gut in den Alltag integrierbar. Je nach Wirkstoff wird das Medikament in größeren Abständen unter die Haut gespritzt oder täglich als Tablette eingenommen – meist nach festen, gut planbaren Anwendungsschemata.
Die Neurodermitis tritt zwar in Schüben auf, aber auch in Phasen, in denen die Erkrankung weniger sichtbar ist, brodelt die Entzündung unter der Hautoberfläche oft weiter. Die Behandlung der Symptome bringt nicht immer den gewünschten Erfolg und nicht wenige Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis sind nicht ausreichend versorgt.12 Sprich mit einem Hautarzt, wenn Deine Neurodermitis mit Deiner aktuellen Therapie nicht unter Kontrolle zu bringen ist. Hier kannst Du über einen Test herausfinden, wie kontrolliert Deine Neurodermitis ist. Gemeinsam könnt Ihr überprüfen, ob Dir moderne Behandlungsmöglichkeiten mehr Freiraum geben können. Falls Du Dich vorher umfassend informieren möchtest, kannst Du eine Zusammenfassung aller verfügbaren Therapien hier herunterladen und mit zu Deinem Dermatologen nehmen.
Neurodermitis tritt zwar in Schüben auf, doch auch in ruhigeren Phasen laufen unter der Hautoberfläche oft weiterhin entzündliche Prozesse ab. Die Behandlung der Symptome bringt nicht immer den gewünschten Erfolg und viele Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis sind nicht ausreichend versorgt.3 Die gute Nachricht: Es stehen heute verschiedene wirksame Systemtherapien zur Verfügung. Sprich mit Deinem Dermatologen, wenn Deine Neurodermitis mit Deiner aktuellen Therapie nicht unter Kontrolle zu bringen ist.
Gemeinsam könnt ihr überprüfen, ob Dir gezielte Systemtherapien mehr Freiraum geben können. Falls Du Dich vorher umfassend informieren möchtest, kannst Du verschiedene Broschüren herunterladen und mit zu Deinem nächsten Arzttermin nehmen.
1 C&EN. The emergence of Biologics; https://cen.acs.org/biological-chemistry/biotechnology/The-emergence-of-biologics/101/i26; letzter Zugriff: Januar 2026.
2 Mirali S, et al. Clin Exp Allergy 2025; 55:1057–1069.
3 S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem]; https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-027l_S3_Atopische-Dermatitis-AD-Neurodermitis-atopisches-Ekzem_2024-01.pdf; letzter Zugriff: Januar 2026.
4 Worm M et al. J Dtsch Dermatol Ges 2020; 18:1085–1092.
5 Kurzen H et al. Atopische Dermatitis – Ein praxisnaher Behandlungspfad (2025). https://onkoderm.de/wp-content/uploads/2025/04/onk_AG_AD_Beilage_DD_023_ONLINE.pdf,
letzter Zugriff: Januar 2026.
6 Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Kleine Moleküle gegen Neurodermitis, Psoriasis, Vitiligo und kreisrunden Haarausfall; https://derma.de/fileadmin/derma/DDG-Tagungen/KOMPAKT_2022/K-PM_JAK-Inhibitoren_F.pdf; letzter Zugriff: Januar 2026.
MAT-DE-2601009-1.0-03/2026
















